Interview mit C. Gina Riot

Bildquelle: C. Gina Riot

Einen gruseltastischen Sonntag wünsche ich euch allen!
Und hoffe, die Geister lassen euch heute in Ruhe und ihr könnt den Sonntag so richtig genießen.
Passend zum Halloween-Sonntag habe ich euch ein Interview mit C. Gina Riot dabei, denn auf Instagram und Facebook stelle ich heute die Bücher als Halloween-Tipp mit vor 😉 Was bietet sich da mehr an, als ein Interview mit der Autorin zu ihrer Dark High Fantasy Trilogie, dessen erster Band „Diener des Ordens – Das Zweigesicht“ mit dem 1.Platz beim „Publikumspreis für Eskapismus, Nerdkultur & Phantastik 2021“ – Goldener Stephan 2021 – für das beste Phantastik-Debüt ausgezeichnet wurde?
Diese Trilogie lohnt sich auf jeden Fall!
Und nun starten wir auch direkt mit dem Interview.
Danke, Gina, dass du dir die Zeit dafür genommen hast!

C. Gina Riot

Name: Gina C. Riot
Wunschland: Belgien oder Niederlande
Lieblingsmusikrichtung: Black Metal (und diverse Subgenres im Metalbereich allgemein)
Hass-Süßigkeit: Irgendwas mit Buttercreme
ekelhaftes Gericht, das du mal probieren musstest: Als Kind musste ich Fleisch essen, bevor ich mich mit 11 dagegen gewehrt habe.
Motto beim Schreiben: Nicht stören!

1. In welchem Genre schreibst du?

CGR: Ich schreibe High Fantasy Romane, sehr düster, daher kann man sie ebenso in Dark Fantasy und vom Setting auch in Mittelalter Fantasy eingliedern, wenn man so möchte. Und in jeder Geschichte steckt ein Hauch Mystik, Atmosphäre und Magie.

2. In „Diener des Ordens“ gibt es ja den Orden – wie der Titel schon verrät – und beim Lesen hatte ich oft den Eindruck, dass das eher eine Art Sekte ist, auf der anderen Seite jedoch auch nicht nur aus fanatischen Anhängern besteht, sondern aus humanoiden Wesen, die ihre eigenen Ziele verfolgen. Woher kommt es, dass der Orden also Sektenaspekte in sich trägt?

CGR: Der Priester dieses Ordens gehört tatsächlich einer Glaubensrichtung an, die vor Ewigkeiten verboten wurde. Daher ist die Bezeichnung „Sekte“ absolut korrekt. Aus diesem Götterglauben heraus wurde der Orden gegründet. Viele Mitglieder dieses Ordens gehören ihm im guten Glauben daran an, dass es sich dabei ausschließlich um eine politische Vereinigung handelt. Der Priester allerdings vermischt die politischen Ziele, die der Orden vertritt, mit seinem Dienst an den Seuchegöttern.

3. Kann man in „Diener des Ordens“ einen genauen Antagonisten benennen?

CGR: Theoretisch kann man das. Man findet in einigen Charakteren die schlechten Werte und Ziele, wie dem Kaiser des Uszmitischen Reichs Gruny, oder aber auch Troija, der auf die Krone Wristanguls aus ist. Ebenso rückt König Eduard Vitt als auffälliges Beispiel für Tyrannei in den Vordergrund. Aber ich breche hier gezielt mit Gut und Böse und so kann auch der Priester des Ordens, deren Ziele wir als Leser ja verfolgen und mit ihm mitfiebern, als Antagonist angesehen werden.

4. Du spielst gerne mit den Merkmalen von „Gut“ und „Böse“ und den Schattierungen dazwischen. Was reizt dich daran, die bestehenden Grenzen durcheinander zu bringen und zu dehnen?

CGR: Die Kategorisierung von Gut und Böse zerstört zu vieles in unserer Welt. Niemand ist gut und niemand ist böse, es sind die Graustufen, die einen Menschen ausmachen. Etwas in Schwarz und Weiß oder Gut und Böse zu unterteilen führt lediglich zur Spaltung der Gesellschaft und daraus resultieren noch weit schlimmere Dinge. Selbstredend hat der Autor einer Geschichte die Möglichkeit, Gut und Böse so darzustellen, wie er es für richtig hält, aber das wollte ich vermeiden. In Märchen zum Beispiel wird Bescheidenheit als das Gute und Ehrgeiz als das Böse bezeichnet. Kinder werden in der Annahme erzogen, dass sie erst von jemand anderes gerettet werden müssen und bescheiden darauf warten, bis sie von den Fängen des Bösen befreit werden. Ich wollte damit nur ein Beispiel nennen, denn diese Thematik könnte ewig diskutiert werden. Warum wollte ich daher mit dem klassischen Gut und Böse brechen? Als Leser sollst du selbst entscheiden können, auf welcher Seite du stehst. Denn es ist nicht das Gute oder das Böse, das einen Menschen prägt, sondern die Erfahrungen und Werte, die Ziele und die Weise, wie man versucht, diese zu erreichen. Nur mal so als unabhängiges Beispiel: Ist der Held, der ein Ungeheuer tötet, nicht auch ein Mörder? Wie vielen Menschen hat der Freiheitskämpfer Leid zugefügt, um die Freiheit von anderen zu erlangen? Wie lange musste der Täter das Opfer sein, bis er zum Täter wurde? Und ist das bloße Streben nach Einfluss und Macht schon eine negative Eigenschaft?

5. In „Diener des Ordens – Das Zweigesicht“ werden viele Gräueltaten begannen, auf ganz unterschiedlichen Ebenen. Wie kam es dazu, dass du so viele verschiedene Aspekte – psychologisch, soziale… – mit eingebaut hast und dich nicht auf einen geraden Weg sozusagen beschränkt hast?

CGR: Es gibt Bücher, die erzählen eine Geschichte und es gibt Bücher, in die taucht man ab und spürt das rege Leben darin intensiv. Gerade bei der Erstellung der Charaktere, ist es mir immer wichtig, ihnen Tiefe zu verleihen, eine Vergangenheit und ganz eigene Merkmale. 0815 ist mir zu langweilig. Der eine leidet noch immer unter einem Trauma (Neoron), der andere wurde zu lange niedergedrückt, um frei und gelassen das Leben auszukosten und leidet unter seiner Melancholie (Bindrung), wieder andere wurden in einem Umfeld groß, das gefährlich ist und falsche Werte vermittelte. Der eine Charakter ist völlig empathielos, der andere detailverliebt und je nachdem, in welchem Kopf man sich gerade befindet, wird die Umgebung detailliert geschildert oder aufs Wesentliche reduziert. Elouzija betrachtet jede neue Stadt mit kindlicher Neugier und Begeisterung, Imur hingegen beschränkt sich aufs Wesentliche. Es sind die feinen Nuancen, die Charakteren und einer Welt Leben einhauchen, Atmosphäre erschaffen und im Kopf des Lesers Emotionen erzeugen. Trotzdem verliere ich mich nicht in Details und ausufernden Beschreibungen oder Nebenhandlungen, denn alles führt zu einem Ergebnis. Jede Frage, die irgendwann mal aufkommen sollte, wird aufgeklärt. Die eine früher, die andere später. Es passiert nichts, das nicht zur Handlung beiträgt.



6. Deine Erdenwelt ist sehr groß, hat viele verschiedene Kontinente und Rassen, die ja auch ihre Geschichte, ihre Rituale und Gottheiten, sowie Legenden und Mythen haben, wie schwierig war es für dich, die Namen und Bezeichnungen zu finden und wo hast du dich dazu inspirieren lassen?

CGR: Viele Eigennamen und Bezeichnungen habe ich nach dem Klang des Wortes gewählt, viele andere haben dafür wieder eine Bedeutung. Guðja, der Name des Priesters, ist altgermanisch für Priester, um mal ein Beispiel zu nennen. Jegliche Zauberformeln sind in der altgermanischen Sprache und auch andere Bezeichnungen entstammen dieser. Jegliche kreative Aspekte des Schreibens gehen mir sehr leicht von der Hand. Inspirationsquellen kann ich nicht direkt nennen, denn alles entspringt meiner Fantasie. Trotzdem findet sich in jedem meiner Bücher ein Charakter, der einem Menschen meines Umfelds nachempfunden wurde.

7. Welche der humanoiden Rassen magst du persönlich am liebsten und warum? Also welchem Land würdest du selbst gerne angehören?

CGR: In Diener des Ordens kommen eigentlich nur drei verschiedene humanoide Rassen vor. Die Menschen, die Zwerge und die Obligaten (Magier), wobei bei letzterem die Gelehrten nach wie vor unschlüssig sind, ob Obligaten nicht auch zu der Rasse der Menschen gehören. Wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich gern ein Obligator der viel auf Reisen ist. Mir gefallen viele Länder und Städte der Erdenwelt. Als ich Band III geschrieben habe, wollte ich noch viel länger in Eismoor, einer Stadt im Grauland verweilen und von Pargatmä habe ich auch schon oft geträumt. Auch Ilvox im Land der Roten Seen gefällt mir ausgesprochen gut. Jetzt gerade schreibe ich zwei neue Bücher die wieder neue Teile der Karte aufzeigen und in denen man gerne verweilen würde.

8. Ich liebe ja Thog und unter anderem auch Arogwéen sehr, doch welchen der Männer würdest du wählen für:

CGR:
1. deinen Ehegatten – Arogwéen. Er ist loyal, intelligent, bodenständig, hilfsbereit und zugetan
2. deinen Liebhaber – Luic (tritt ab Band II der Trilogie in Erscheinung) Er nimmt das Leben leicht und mit Humor, ist ein großartiger Freund, steht für Gerechtigkeit ein und neben seinem guten Aussehen ist er außerdem sowohl bescheiden als auch selbstbewusst. Sehr charismatisch.
3. als Opfer für ein Ritual ? – Da fragst du noch? Thog!

9. Welcher von dir erschaffene Charakter macht dir am meisten Spaß zu schreiben und kannst du verraten, woran das liegt?

CGR: Da gibt es einige, die mir leicht von der Hand gehen und vor allem ist es die Vielfalt. Eduard Vitt ist einer davon. Er ist so unfassbar widerlich und grausam. Ich liebe es, mich in seinen Verstand hineinzumanövrieren und ihn sprechen und handeln zu lassen. Aber ebenso versetze ich mich gerne in Bindrung oder Tax oder Luic. Srof ist auch ein wahnsinnig starker Charakter, dessen Weltanschauung so divergent zu der meinen ist, dass es eine Freude ist, all meine Empathie hineinzulegen und ihn argumentieren zu lassen.




Und noch ein bisschen Unfug zum Schluss, also bitte: entscheide dich, Gina! 😉

1. Einen Monat von Sülze leben oder 1 Woche lang geschwollen und kitschig sprechen?

CGR: In formvollendeter Schönheit sollen meine Worte erklingen, laut und klar. O, diese Bürde! Mit Wohlwollen werde ich dieser Schmach erliegen. Bis zum siebten Tage!

2. Sieben Tage nicht duschen oder 3 Tage in der gleichen Kleidung rumlaufen (nein, auch Schlüpper und Socken dürfen NICHT gewechselt werden!)

CGR: Wenn ich nur einen Tag nicht duschen kann, ist es eine Qual. Da laufe ich lieber drei Tage lang in der gleichen Kleidung herum.

3. Drei Jahre als Bauchtänzerin einem Scheich dienen oder 3 Jahre in einer Country Band die Leadsängerin sein?

CGR: Ich kann mir kaum vorstellen, dass mich die Country Band drei Jahre lang als Sängerin behält, wenn ich ihre Musik mit Death Metal Growls „aufwerte“.




Und damit endet unser Interview mit C. Gina Riot. Die Antworten waren sehr spannend, wie ich finde und zeigen noch einmal die Komplexität dieser Dark High Fantasy Trilogie und der Erdenwelt an sich.
Aktuell lese ich unter anderem den dritten Teil „Diener des Ordens – Der Pakt“ und bin auf Seite 53 angekommen. Es ist düster, es ist gefährlich und es scheint, als ob nicht alle die Mission auf die Weise beenden werden, wie es vorhergesehen worden war… oder ich mir eben ausgemalt habe.
Ich kann euch die Trilogie empfehlen, wenn ihr auf dunkle Riten, gefährliche Zustände und viele viele Charaktere steht, die ihr auf ihrem Weg begleiten könnt, denn dadurch, dass sich die Schauplätze verändern, bekommt man Einblick in die Erdenwelt und die verschiedenen Köpfe der Charaktere, aber auch in jene, die die Länder reagieren.

Ganz oben habe ich euch die Website der Autorin verlinkt, falls ihr euch mehr über sie erkundigen wollt 😉

Habt einen schön gruseligen Sonntag!

Eure



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