Vorneweg CN – Haustiertod

Am Ostermontag, dem 6.4.2026 ist mein kleiner, süßer Kater von einem Auto erfasst worden und dann nur wenige Momente später an den Folgen davon verstorben.
Er war ein halber Freigänger – immer dann, wenn er bei Eltern war, weil er bei ihnen lebte, wenn ich mehrere hunderte Kilometer wo anders gearbeitet habe. Er war kastriert, tätowiert und ging eigentlich nie über die Straße, sondern immer nach hinten auf die Felder hinter dem Haus, denn Eltern wohnen auf einem Dorf.
Und ehrlich, mir braucht jetzt keiner in den Kommentaren zu sagen, dass ich selbst Schuld bin, dass er jetzt nicht mehr hier ist, weil er ungesicherten Freigang hatte. Ich würde es immer wieder so machen, weil ich gesehen habe, wie sehr es ihm gefallen hat, seinen Radius Stück für Stück zu erweitern und durch die Gegend zu streunern oder unter seiner Lieblingsblume im Garten im Sommer zu chillen.
Er liebte es, draußen zu spielen oder in der Sonne zu entspannen und zu schlafen. Und ich liebte es, dass er danach nach Sonne oder Regen oder Wind roch und immer zurück kam und kuscheln wollte. Er war fröhlich, ausgeglichen und zufrieden. Hatte durch seine Mutter und seine Schwester – beide Katzen von meinen Eltern – Spielgefährten bei sich und hatte sich auch mit ihnen gut verstanden.
Wenn er bei mir war, dann hatte er gesicherte Balkone und durfte ansonsten nicht raus, weil Stadt. Aber die Balkone haben ihm auch gereicht, denn er liebte es bei dem Topf mit der Katzenminze zu sitzen und durch die Gegend zu schauen oder hat die Vögel beobachtet.
Ich liebe diesen kleinen Flauscheball wie kaum etwas anderes auf dieser Welt. Gray war 3,5 Jahre alt und den Großteil der Zeit auch bei mir. Er hat mir durch sehr schwierige Zeiten geholfen und war mein Seelenkater, oft der einzige Grund, warum ich überhaupt aus dem Bett aufgestanden und noch etwas Schönes im Leben gesehen habe.
Umso mehr zerbrach meine Welt am Ostermontag abends, als Eltern anriefen und sagten, er sei von einem Auto erfasst worden, als er über die Straße düsen wollte. Dieses kleine, süße Monster musste unbedingt an diesem Tag über die Straße gehen wollen, um eine Uhrzeit, wo immer viel Verkehr ist!
Als er starb, war er aber nicht alleine, meine Mama war bei ihm, hat ihn gestreichelt, als er seinen letzten Atemzug tat und er hat sie ein letztes Mal angeschaut, bevor er für immer die Irdische Welt verlassen hat. Er war nicht allein und es war so schnell, dass er hoffentlich aufgrund des Adrenalins keine Schmerzen hatte. Das ist mein Trost, dass er nirgendwo in einem Graben alleine lag und starb, sondern auf unserem Grundstück, zuhause sozusagen, und Eltern dabei ihm waren.
Und ich? Ich war 360km entfernt, weil ich Feiertage gearbeitet habe. Weil ich das angenommen hatte, um Miete und Strom und alles andere zu zahlen.
Bin ich jetzt selbst Schuld, weil ich es nicht ausgeschlagen habe, einen Kurzeinsatz zu machen? Wäre ich da geblieben, wäre das nicht passiert? Hätte ich es ausgeschlagen, wäre er jetzt noch bei mir?
Das sind Gedanken, die mich eine Zeit lang wahnsinnig gemacht haben. Und ich bin zu dem Ergebnis gekommen: Es wäre dennoch passiert. Selbst wenn ich zuhause gewesen wäre – was war Ostern, wir wären sowieso zu Eltern gefahren, ja, ich hätte ihn mitgenommen, weil schönes Wetter war und er wäre trotzdem raus gegangen und los gelaufen.
Ich kenne die Risiken von Freigängern, weiß, dass das jederzeit passieren konnte und hatte manchmal ein komisches Gefühl, wenn er länger nicht zurück kam, aber kam auf Rufen immer zurück. Dennoch stellt man sich nicht drauf ein, dass es dann doch geschieht.
Ich hatte die Situation am gleichen Tag noch auf Threads gepostet und bekam empathielose Kommentare darüber, dass ich selbst Schuld sei und jetzt nicht „heulen“ soll. Danke für diesen überaus netten Ansatz, wirklich. Ich wünsche euch nur das Beste, denn es scheint, als seien eure Herzen verbittert.
Und dennoch habe ich ein Recht darauf zu weinen und zu trauern.
Mittlerweile ist es jetzt 3 Wochen her, wo ich ihn das letzte Mal gesehen habe. 3 Wochen ohne ihn und seit 2 Wochen ist er gar nicht mehr da. Und Gray fehlt mir jeden Tag immer noch massiv. Mir fehlt das Aufwecken früh morgens, weil er etwas Essen will oder schmusen oder wenn er mit seinem Filzball ankam, damit ich es ihm werfe und er ihm wie ein Hund hinterherjagen kann.
Mir fehlt das Gewicht, wenn er sich auf mich legte um zu kuscheln. Mir fehlt es, dass er angerannt kommt, sobald ich in der Küche gewerkelt habe und mich beobachtete oder nach Leckerlis bat.
Mir fehlt seine ganze Präsenz und diese stille Akzeptanz und Liebe, die ich von ihm erhalten habe. Gray fehlt mir maßlos.
Ich würde nie etwas ändern, nicht daran, dass er raus durfte, nie daran, dass er kommen und gehen konnte, wie er wollte. Ich habe ihm all die Liebe gegeben, die ich habe und ich hoffe, er wusste, wie viel er mir bedeutet. Ich hoffe, er hat gespürt, wie sehr ich ihn liebe. Wie sehr wir ihn alle geliebt haben und wie sehr er fehlt.
Das Atmen wird langsam leichter, auch wenn ich immer noch von jetzt auf gleich anfange zu weinen. Aber ich kann wieder Bilder und Videos ansehen, ohne direkt los zu weinen. Und ich habe Bilder auf dem Handy gefunden, wo er noch ganz klein ist. Mein kleiner, süßer, frecher Flausch.
Diesen Beitrag schreibe ich für mich, um mich auf diese Weise noch einmal zu verabschieden und es zu verarbeiten und gleichzeitig mit der Hoffnung, dass seine Bilder ein bisschen angesehen werden, dass für einen Moment noch jemand zusätzlich an ihn denkt. Dass er da war und meine Welt so viel schöner, bunter und lebendiger gemacht hat, als wenn ich ihn nie gehabt hätte.
Jetzt liegt er unter seiner liebsten Blume im Garten begraben und hat seinen ewigen Schlaf gefunden. Und immer, wenn ich jetzt bei Eltern bin, begrüße ich ihn draußen, bevor ich überhaupt ins Haus gehe und verabschiede mich genau so bei ihm. Weil er zwar nicht mehr da ist, aber doch noch da. Und ich werde ihn bestimmt wieder sehen, irgendwann.
In diesem Sinne: Danke, dass du bis hierher gelesen hast. Danke, dass du Grays Bilder angeschaut und für einen Moment an ihn gedacht hast.
Mögen all eure Flauschkugeln und tierischen Herzchen gesund sein und es ihnen noch lange gut gehen.



Und du, mein liebster und süßester Gray: Mögest du ein offenes Feld mit blühenden Blumen und viel Gras und Steinplatten haben, die von der Sonne gewärmt werden und du deine Zeit genießen kannst. Und vielleicht, ab und zu kommst du mich in meinen Träumen besuchen, damit ich dich noch einmal drücken und dir sagen kann, wie sehr ich dich liebe.