
Autor: Kate Meader
Titel: Man Down – Eine Nachricht mit Folgen
Reihe: Rookie Rebels 3
Seitenanzahl: 430 Seiten
Verlag: Selfpublisher
Übersetzer: PublishMe
ISBN: 978-1954107632
Preis:
E-Book: 5,99€
Print: 17,99€
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Klappentext:
»Ich schreibe seit einiger Zeit Nachrichten an die Frau, die ich verloren habe, die Frau, die ich mehr geliebt habe, als Worte es je ausdrücken könnten … und jetzt hat jemand anderes geantwortet.«
Gunnar Bond ist ein gebrochener Mann.
Vor drei Jahren überlebte er den Autounfall, der seine Frau und seine Zwillinge aus seinem Leben riss – wobei »überleben« seine aktuelle Gefühlslage wohl kaum treffend beschreibt. Den Profisport hinter sich lassen, sich von der Welt abschotten und sich mit Alkohol betäuben, sind seine Strategien, um irgendwie weiterzumachen. Eine weitere besteht darin, Nachrichten an seine tote Frau zu schreiben, in denen er von seinem Leben ohne sie erzählt. Therapeutisch? Wohl kaum. Verrückt? Definitiv. Doch diese Nachrichten ins Nichts sind so ziemlich das Einzige, was ihn davon abhält, in noch dunklere Abgründe zu stürzen.
Bis plötzlich jemand antwortet …
Sadie Yates‘ Welt fällt gerade auseinander.
Plötzlich zur Vormundin ihrer kleinen Schwester ernannt – die sie kaum kennt – und eines verzogenen Köters, mit dem sie am liebsten gar nichts am Hut hätte, musste sie ihr (mehr oder weniger) glamouröses Leben in L.A. aufgeben und zurück nach Chicago ziehen. Die Nanny hat gekündigt, das Geld wird knapp und ihr Job steht auf der Kippe. Das Letzte, was sie jetzt noch gebrauchen kann, ist der Hockey-Camp-Betreuer ihrer Schwester, ein besserwisserischer Wikinger-Typ, der ihr ständig erklärt, wie schlecht sie sich als Ersatzmutter anstellt. Zum Glück gibt es da noch ihren süßen, sensiblen – und hoffentlich auch heißen – Sms-Freund, der immer genau die richtigen Worte zu finden scheint. Endlich in derselben Stadt könnten sie herausfinden, ob die Chemie in ihren Nachrichten auch im echten Leben stimmt. Alles, was sie dafür tun muss, ist, ein Treffen zu arrangieren…
Ein gebrochener Mann, der glaubt, er habe all seine Liebe aufgebraucht, klingt nach einem Risiko. Aber Sadie hat sich noch nie vor einer Herausforderung gescheut – auch nicht vor einer, die ihr Herz in tausend Stücke zerbrechen könnte.
Bereitstellung des Buches: Rezensionsexemplar.
Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt bereits sehr emotional, denn die Nachrichten, die Gunnar seiner toten Frau schreibt, sind erfüllt von Leid und Trauer, von Schuldgefühlen und der Bitterkeit noch am Leben zu sein, während alles, was er je liebte, bereits verloren ist.
Diese Spirale abwärts, der Strudel, der ihn seit drei Jahren gefangen hält, nicht atmen lässt, wird kurzzeitig abgemildert, als er auf einmal eine Antwort erhält. Von der Nummer seiner toten Frau. Und damit beginnt alles…
Gunnar ist ein ehemaliger gefeierter NHL-Spieler, hat sich aber nach dem Unfalltod seiner Familie zurückgezogen und lehnt alle Angebote seines Agenten ab, schließt alle aus und ertrinkt in seiner Selbstgeißelung. Sein einziger Lichtblick? Angel – die Frau, mit der er seit Monaten schreibt und die ihn mit ihrer einfühlsamen und manchmal sarkastischen Art zurück aus der Starre und seiner persönlichen Hölle holt. Es ist einfach, mit einer Fremden zu schreiben, wenn sie einen nicht kennt, ohne Erwartungen, ohne die wissenden Blicke und ohne das Mitleid darin.
Sadie steht auf ihre eigene Art still. Während Gunnar vor Trauer und Schuldgefühlen gelähmt ist und sich nur langsam zurück kämpft – dank ihr wohlbemerkt, weil sie den ersten Stupser in die Richtung gegeben hat und er anfängt zu verarbeiten – ist Sadie gefangen in der Ablehnung ihres Vaters, dem Wunsch nach Stabilität und sich selbst zu verwirklichen, während sie etwas davon abhält und sie lieber die Assistentin einer Influencerin ist, die ihr zwar Hilfe anbietet, das aber mehr eine Taktik des Hinhaltens zu sein scheint.
Als Sadie dann auch noch von L.A. nach Chicago muss, um die vorübergehende Vormundschaft für ihre Halbschwester anzunehmen, da die 12 Jährige sonst niemanden hat, gerät ihr Leben vollkommen aus dem Takt. Auf einmal sieht sie sich nicht nur ihrem alten „Zuhause“ gegenüber, sondern auch einer launischen Teenagerin, die in ihr den Feind sieht und einem Wikinger, der scheinbar nur das Schlechteste von ihr hält.
Kein guter Start und die Missverständnisse nehmen keinen Abbruch, während sowohl Gunnar, als auch Sadie in dieser „Hassliebe“ zusammenprallen, sich aneinander reiben und anfangen zu verarbeiten, dabei geht so manches Geschirr – metaphorisch gesehen – zu Bruch.
Um das Chaos zu toppen scheint es, als würde jemand einen besonderen Groll gegen Sadies Vater hegen und keinen Halt davor machen, den Schwestern Angst und Schaden zuzufügen.
Ich liebe diese Story. Sie ist voll von Emotionen, von Trauma, von Verlust und von alten Glaubenssätzen. Von Stillstand und langsamer Veränderung, während es Slow-Burn mit einer gewaltigen Portion Leidenschaft und Sehnsucht ist. Sadie ist so unglaublich verständnisvoll, gibt sich mit so wenig zufrieden, dass ich sie gerne geschüttelt hätte – denn sie verdient so viel mehr! Doch gefangen in der erlebten Ablehnung von ihrem Vater, glaubt sie daran, es nicht wert zu sein.
Und Gunnar? Der versinkt in Schuldgefühlen, aber nicht nur, weil seine Familie tot ist, sondern weil er eine andere Frau, als seine tote Ehefrau, begehrt, der er einst Treue schwor.
Man könnte vielleicht annehmen, dass die Story zu lang und manch eine Szene nicht nötig gewesen wäre, aber ich glaube, dass jede Szene tatsächlich genau richtig und nötig war, um die Charaktere zu dem Punkt zu bringen, an dem sie schlussendlich gelandet sind. Die Entwicklung der beiden war für mich sichtbar, auch wenn sie für die Protagonisten selbst nicht erkennbar war.
Ich liebe die Dynamik, die spicy Szenen und das Tiefergehende. Getoppt wird das nur durch den Zusammenhalt der Rebels und wie sie penetrant füreinander da sind und sich gleichzeitig versuchen in alles einzumischen, als wäre es ihre persönliche To-Do-Liste. Neben Herzschmerz konnte ich das ein oder andere Mal auch sehr lachen. Der Schreibstil ist flüssig, ich konnte direkt abtauchen und kam nur so durch die Seiten.
Eishockey an sich spielt hier nur eine Nebenrolle, da das reale Zusammentreffen der Protagonisten in der Off-Session angesiedelt ist, hat aber eine Bedeutung für Sadies jüngere Halbschwester und hilft auch Gunnar, wieder zurück ins Leben zu kommen.
Übrigens: die „Rookie Rebels“ sind unabhängig voneinander lesbar, auch wenn die Charaktere der vorherigen Teilen natürlich ebenfalls ihren Auftritt haben, aber auch ohne das Vorwissen davon kam ich gut durch die Story, da Erklärungen dabei sind, dass man nicht mit vielen Fragezeichen zurück bleibt. Tatsächlich habe ich eher Lust auf die anderen Geschichten bekommen – besonders auf die bereits ausgeschiedenen Rebels…
Fazit:
5 Wirbelwinde für eine Slow-Burn Geschichte, die mich viel tiefer getroffen hat, als anfangs angenommen.
