Buchvorstellung: Schwesternherzen

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Ich finde den Klappentext recht interessant, weil es sich danach anhört, als ob das Buch mit Situationskomik das Leben aufgreift und gleichzeitig zwei Schwestern wieder näher bringt, nachdem sie sich entfremdet haben.
Spannend finde ich auch, wie die Schwestern im Klappentext skizziert werden, so vollkommen unterschiedlich und dabei muss die beiden doch irgendetwas verbinden…

Eine kleine Leseprobe habe ich euch auch von der Autorin dabei und da musste ich schon grinsen.

Leseprobe:

„Kannst du das DING woanders hintun?“ Ich zeigte auf den knallroten Dildo, den meine Schwester dem alten Teddy zwischen die Beine geklemmt hatte.
„Wieso? Steht doch da prima.“ Chrissi beugte sich über ihre Reisetasche und nahm ein Satin-Säckchen heraus. Sie entknotete die Schleife und beförderte etwas zutage, das irgendwie aussah wie eine Mischung aus Quirl und Lockenstab. In grün. Sie drückte auf einen Knopf.
Das Gerät begann zu summen und gleichzeitig zu zucken wie ein Frosch auf Drogen. Ich schwöre, dass das vergilbte Bravo-Foto von Nena rot geworden wäre, wenn es hätte können.
„Du bist so widerlich“, flüsterte ich. Und knallte die Tür zum alten Kinderzimmer meiner Schwester zu.
Nach einer wie erwartet wenig liebevollen Begrüßung, hatten wir vorhin zuerst unsere Zimmer bezogen, um später die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Oben vor den beiden Kinderzimmern gab es einen großen Balkon, den wir damals mit Vergnügen nutzten. Zum Beispiel vermietete ein Nachbar häufig Zimmer an Studenten, mit denen meine ältere Schwester fleißig von Balkon zu Balkon flirtete. Ich fand das natürlich unmöglich, während Chrissi meinen Protest über dieses wenig damenhafte Verhalten mit spitzen Lippen und lang hingezogenen Vokalen nachäffte. Ich öffnete die knarrende Tür mit etwas Mühe und ließ frische Luft ins Haus.
Mir war unklar, warum sie sich hier einnistete, als sei die Zeit 30 Jahre nach hinten gedreht worden. Mit ihrer Kohle hätte sie locker eine Suite im besten Hotel am Platz mieten können. Ich war heilfroh, dass Mimi die drei Wochen in Marokko verbrachte. Für immerhin eine Sache war ihr Erzeuger Alman also doch gut und dank ihm sprach meine Tochter fließend Französisch. Was hingegen nie floss, war der monatliche Unterhalt, dafür verdarb mein Ex seine Erstgeborene bei ihren Ferienbesuchen nach Strich und Faden: Ich war schon jetzt gespannt, mit wie vielen neuen Klamotten Mimi in drei Wochen am Frankfurter Flughafen landen würde. Beim letzten Mal musste ich 22 Kilo Übergepäck auslösen. Was eine Krise in der Haushaltskasse auslöste. Und einer 13-Jährigen herzlich egal ist.

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